Christliche Netzwerke bei TRUMPF, Daimler, Telekom und E.ON zeigen, wie Mitarbeiter ihren Glauben am Arbeitsplatz leben – und wie Gebetskreise entstehen. Von IDEA-Gesamtleiterin und KCF-Vorstandsmitglied Daniela Städter.

Dieser Artikel ist im KCF-Magazin 1-2/2026 erschienen. (Hier bestellen)

Christliche Netzwerke bei TRUMPF, Daimler, Telekom und E.ON zeigen, wie Mitarbeiter ihren Glauben am Arbeitsplatz leben – und wie Gebetskreise entstehen. Von IDEA-Gesamtleiterin und KCF-Vorstandsmitglied Daniela Städter.

Christen bei TRUMPF: Gebet als Herzstück

Der Evangelist Billy Graham sagte einmal: „Ich glaube, dass die nächste Erweckung auch am Arbeitsplatz stattfindet.“ Bei TRUMPF, dem Hochtechnologieunternehmen aus Ditzingen, wird diese Vision seit über 30 Jahren gelebt, sagt Eberhard Schneider. Er hat 1991 gemeinsam mit Arbeitskollegen das Netzwerk „Christen bei TRUMPF“ (CbT) gegründet. Bis heute treffen sich an mehreren TRUMPF-Standorten wöchentlich dezentrale Gebetskreise. Das Gebet sei der Kern des Netzwerks, betont Schneider – ganz im Sinne von 1. Timotheus 2,1: Dort werden Christen aufgefordert, mit „Bitten, Gebet, Fürbitten und Danksagung für alle Menschen“ einzutreten. Aus den Kreisen ist mehr erwachsen: Monatliche standortübergreifende Treffen mit Lobpreis, geistlichem Impuls und auswärtigen Referenten stärken die Gemeinschaft, eine Zeit lang hat ein Mittags-Stammtisch niedrigschwellige Begegnungen ermöglicht, und seit Corona kann man an einigen Gebetskreisen auch online teilnehmen; einer davon betet gezielt für kranke Menschen. 2019 wagte CbT mit der „AusZEIT“ einen Alphakurs in der Mittagspause – ein „echtes Pionier-Projekt“, sagt Schneider. Daraus seien Kontakte entstanden, die bis heute bestehen. Neue Mitarbeiter finden im Intranet eine Seite mit der Vision des Netzwerks und den regelmäßigen Terminen. So wissen Christen vom ersten Arbeitstag an: Ich bin hier nicht allein. Schneider ist mittlerweile im Ruhestand. Heute leitet Thiemo Weiss, Qualitätsmanager Forschung und Entwicklung, das Netzwerk. Er ist dankbar, in einem Unternehmen arbeiten zu dürfen, das von bekennenden Christen geführt wird und dem Netzwerk ermöglicht, Räume, Intranet und weitere Infrastruktur zu nutzen. In manchen anderen Unternehmen dürften Gebetskreise hingegen nicht offen beworben werden: „Dort kann es helfen, wenn externe ,Gebetspaten‘ einen christlichen Mitarbeiter im Gebet unterstützen und ihn ermutigen, einen Kreis zu starten.“

So wissen Christen vom ersten Arbeitstag an: Ich bin hier nicht allein.

„Christen bei Daimler & Benz“: Pionierarbeit geleistet

Bei Daimler hat sich aus einer persönlichen Entdeckung ein großes Netzwerk entwickelt. Als der Entwicklungsingenieur Helmut Keller 1987 bei dem Automobilunternehmen begann, stellte er fest, dass er dort mit seinem christlichen Glauben nicht allein war. Über Jahre entstand die Vision, Christen über Abteilungsgrenzen hinweg zu verbinden. 2006 wurde schließlich das Netzwerk „Christen bei Daimler“ gegründet, das nach der Aufspaltung des Konzerns heute als „Christen bei Daimler & Benz“ (CDB) weitergeführt wird. Auch hier steht das Gebet im Mittelpunkt: An rund 50 Standorten treffen sich Mitarbeiter regelmäßig außerhalb der Arbeitszeit zum Gebet. Aus den kleinen Gebetskreisen ist im Lauf der Jahre eine Bewegung in der gesamten Automobilindustrie entstanden: der Verein „Christen in der Automobilindustrie“ (CAI). Ein Höhepunkt bei CDB ist das jährliche „Christentreffen unterm Stern“, bei dem sich Hunderte Teilnehmer treffen oder online zuschalten, um Lobpreis, Impulse und Austausch zu erleben. Ergänzt wird das Angebot durch regelmäßige Online-Impulse zur Mittagszeit. Heute zählt das Netzwerk mehr als 1.800 Mitglieder und mehr als 50 Gebetskreise weltweit. Es versteht sich als Initiative von Mitarbeitern für Mitarbeiter. Es wird inzwischen von einem 7-köpfigen Leitungsteam koordiniert, erzählt Keller. Finanziert wird die Arbeit ausschließlich durch Spenden. Ziel sei es, christliche Werte im Berufsalltag sichtbar zu leben und durch „Work and Pray“ Verantwortung für Kollegen, Unternehmen und Gesellschaft zu übernehmen.

„Christen@Telekom“: Treu und wahrhaftig sein

Kleiner, aber nicht weniger aktiv im Gebet sind die Christen bei der Deutschen Telekom – mit rund 100 Mitarbeitern in lokalen Gebetskreisen: „Der Herr segnet ein evangelistisch aktives Christenleben auch am Arbeitsplatz“, sagt Patrick Krisam, der in der Konzernzentrale als Regulierungsstratege arbeitet. Einige treffen sich ihm zufolge zum gemeinsamen Mittagessen mit anschließendem Gebet in der Kantine, andere außerhalb der Arbeitszeit in einem Besprechungsraum, und in Bonn gibt es eine Gruppe, die nach der Arbeit zusammenkommt und die Struktur eines Hauskreises hat. Eine zentrale Rolle habe dabei „Christen@Telekom“, eine als Mitarbeiternetzwerk anerkannte Gruppe. Wichtig sei, Menschen auf das Angebot aufmerksam zu machen, sagt Krisam. Die Telekom stelle anerkannten Mitarbeiternetzwerken dafür die Infrastruktur des Unternehmens zur Verfügung. Eine Kommunikation sei z. B. über das Intranet möglich, wo Termine beworben werden und Inhalte im ganzen Konzern zugänglich sind. Einladungen könnten in den Gebäuden verteilt werden. Das Netzwerk suche darüber hinaus den Kontakt zu christlichen Gemeinden vor Ort, um dort die Möglichkeit, den Glauben am Arbeitsplatz aktiv zu leben, bekanntzumachen. Andrea Baare, tätig im Bereich Public Sales, plädiert dafür, offen gegenüber einer On-line-Teilnahme an Gebetstreffen und grundsätzlich gegenüber dem Arbeitgeber transparent zu sein. Es müsse immer abgeklärt werden, welche Art von Treffen der Arbeitgeber toleriert: „Hier sollten wir gegenüber unserem weltlichen Herrn treu und wahrhaftig sein.“

E.ON: Alles fängt klein an

Noch ganz neu ist das Netzwerk bei E.ON. In der Essener Konzernzentrale des Energieunternehmens trafen sich Ende 2025 erstmals rund 40 Mitarbeiter zu einer christlichen Netzwerk-Konferenz, weitere Teilnehmer aus mehreren Ländern waren digital zugeschaltet. Ausgangspunkt für das deutsche Netzwerk war eine persönliche Begegnung: Change Manager Tobias Miecznik wurde aufmerksam, als eine Kollegin in einem Führungs-kräfte-Meeting Gott für ihre neue Aufgabe dankte. Kurz darauf entstand der Kontakt – und schließlich ein kleiner Kreis von Christen, der sich jetzt regelmäßig online zum Gebet trifft. Unterstützung kommt auch hier vom Unternehmen: E.ON fördert Mitarbeiter-Netzwerke als Beitrag zu Vielfalt und Zusammenhalt im Unternehmen. Das Beispiel E.ON zeigt: Kleine Hinweise auf den persönlichen Glauben können ein Ausgangspunkt für ein christliches Netzwerk sein.

Tipps für den Start eines Firmen-Gebetskreises

• Klein anfangen: Beten Sie für den Kontakt zu einem weiteren christlichen Mitarbeiter. Denn schon zwei oder drei können einen Gebetskreis bilden.

• Mut zum ersten Schritt: Oft wartet ein ganzes Unternehmen nur darauf, dass jemand den ersten Impuls gibt.

• Klare Rahmenbedingungen: Vereinbaren Sie verlässliche und regelmäßige Termine, Orte und Kommunikationswege.

• Einheit bewahren: Christen aus verschiedenen Kirchen können teilnehmen. Christus ist das gemeinsame Fundament.

• Einfache Struktur: Ein kurzer geistlicher Impuls, Austausch über Anliegen und dann gemeinsames Gebet haben sich bewährt.

• Für konkrete Anliegen beten: Zum Beispiel für Führungskräfte, Kollegen, Projekte und die Situation der Firma.

• Mit Gottes Wirken rechnen: Gott handelt und kann Beziehungen, Glauben und Arbeitsumfeld verändern.